DEWEZET vom 15.01. 2009

Sind die Turbinen schuld am Tod der Aale?


Sportfischer fordern Abschaltung / Stadtwerke erklären sich zur Ursachenforschung bereit


Hameln (kar). Viele tote Aale unterhalb des Fischpasses an der Pfortmühle hat Wilhelm Wehrhahn jetzt entdeckt: „Eine Tragödie“, sagt der Sportfischer, schließlich solle der Aalbestand in Europa gemäß den EU-Richtlinien gehalten werden. Wehrhahn ist sicher: „Die Tiere befanden sich auf ihrer Wanderung zu den Laichplätzen im Sargassomeer.“ Er vermutet als Todesursache: „Sie sind in den Rechen der Stromturbinen geraten.“

Die Turbinen der Stadtwerke an der Pfortmühle: Unterhalb des Fischpasses wurden zahlreiche tote Aale gefunden.
Foto: Wal

„Aale wandern in mittlerer Wassertiefe“

Um den Aalbestand in der Weser zu sichern, wollen die Sportfischer mit dem Betreiber der Turbinen, den Stadtwerken, ins Gespräch kommen: „Wir würden gern gemeinsam nach einer Lösung suchen.“ Wie die aussehen könnte? „Zur Hauptwanderung der Aale die Turbinen abschalten“, sagt Wehrhahn. Zwar gibt es bei der Pfortmühle neben dem Wehr einen Fischpass und ein Aalrohr, das auf- oder absteigenden Fischen die Wanderung erleichtert. Diesen Weg aber scheinen die Aale nicht genommen zu haben. „Wenn über die Wehre zu wenig Wasser läuft, ist den Aalen dieser Weg versperrt. Sie folgen dann dem stärksten Lockstrom, und der führt zur Turbine“, erklärt Wehrhahn. Die Fischscheuchanlage, die es dort gibt, liege in Bodennähe: „Sie funktioniert nur bei Tieren, die auch in Bodennähe wandern“, sagt der Sportfischer. Der Aal aber wandere in mittlerer Wasser tiefe, um schnell und hindernisfrei den Weg Richtung Meer zu nehmen. „Er folgt dem Hauptstrom, landet vor den Turbinen und wird dort gegen den Rechen gepresst“, folgert Wehrhahn. Die Säuberungsanlage habe die so gestrandeten Aale dann weggekratzt. „Sie landeten im Müllcontainer“, vermutet Wehrhahn weiter, „und wurden in gutem Glauben, dass die Tiere noch leben, unterhalb der Pfortmühle in die Weser gekippt, sind dort aber ihren schweren Verletzungen erlegen.“ Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke, kann diese Geschichte nicht ganz nachvollziehen. Auf Anfrage der Dewezet erklärt sie: „Wir haben eine Rechenanlage, die herausholt, was an den Turbinen hängen bleibt. Aber das Verfahren ist automatisiert. Da ist niemand, derdie Aale wieder ins Wasser gesetzt haben könnte.“ Nachdrücklich stellt sie fest: „Und wir kippen auch keine toten Aale ins Wasser.“

„Für fünf Aale können wir nicht abschalten“


Trotzdem bietet sie an, der Sache auf den Grund zu gehen: „Wir setzen uns gern mit den Sportfischern zusammen. Wenn wir Rückmeldung bekommen, wann wieder eine Wanderung der Aale bevorsteht, würden wir an der Pfortmühle beobachten, was passiert und dann nach einer Lösung suchen“, verspricht Susanne Treptow. Der Forderung nach einem Stoppen der Turbinen steht sie aber skeptisch gegenüber. Ausschlaggebend sei für sie vor allem die Anzahl der wandernden Aale: „Für fünf Aale können wir schon aus wirtschaftlichen Gründen die Turbinen nicht abschalten. Aber wenn da tausend Aale wandern, würde ich abschalten.“








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